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Mar 04, 2021

Zwischen Brandeis & MIT: Erfahrungsbericht einer Fulbright-Forschungsstipendiatin in Boston

Grantee Experience (Doktorandenstipendium)

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Warum soll man zwischen drei der besten Universitäten der Welt wählen, wenn man alles haben kann? Dieser Traum wurde für die Doktorandin der praktischen Philosophie und Fulbright-Stipendiatin Franziska Lara Paulmann mit ihrem Forschungsstipendium in Boston zur Realität. Während ihres Aufenthalts konnte sie nicht nur an der Brandeis University ihre Forschung voranbringen, sondern auch von den Ressourcen des MIT und Harvard profitieren! Lies weiter, um mehr über ihre einzigartige Erfahrung in ihren eigenen Worten zu erfahren und Ideen zu finden, wie du deinen eigenen Forschungsaufenthalt finanzieren kannst.

Shipping up to Boston: Die ersten Eindrücke einer neuen Stadt

Am 27. Oktober 2019 ging es los.

Für mich war es das zweite Mal USA nach einem Besuch an der Westküste mit 15 Jahren. Ich war also ziemlich gespannt auf meinen Aufenthalt in dieser mir noch unbekannten Stadt. Von Boston habe ich vor meinem Aufenthalt Unterschiedliches gehört. Für einige gilt Boston als eine der schönsten Städte der USA, mit einer reichen Geschichte, wunderschön gelegen und von äußerst freundlichen und offenen Menschen bewohnt. Für andere ist vor allem das Wetter entscheidend – im Winter bis zu minus 20 Grad Celsius und Unmengen an Schnee. Eine Stadt, in der die Wissenschaft in den zahlreichen Universitäten (Harvard, MIT, North Eastern, Boston University, Brandeis - zu dieser Universität komme ich gleich) wirklich zuhause ist, ist es mit Sicherheit!

Arbeiten als Doktorandin an der Brandeis University

Mein Aufenthalt war für sechs Monate angelegt, direkt in den kalten Wintermonaten bis Ende April, sodass ich ziemlich gespannt die Reise ins Unbekannte angetreten habe. Assoziiert war ich über das Doktorandenprogramm mit der schon angesprochenen Brandeis University, die sich streng genommen nicht mehr in Boston, sondern in Waltham, etwa 12km vom Bostoner City Center entfernt, befindet. Meine Mentorin dort, Kate, habe ich dort zum ersten Mal persönlich kennengelernt und der Kontakt war sofort wahnsinnig herzlich und unterstützend. Das gleiche kann ich auch über unterschiedliche Mitarbeitende des Fachbereichs sagen, sie hatten immer ein offenes Ohr.

“Es ist also tatsächlich eine Stadt, in der man findet, was man (wissenschaftlich) sucht!“

Da meine Wohngemeinschaft in der Nähe von Cambridge lag, brauchte ich nach Waltham ca. 45 Minuten, zum Harvard Campus waren es nur 20 Minuten Gehweg. Aufgrund der guten Lage der Universitäten konnte mir meine Mentorin zum Arbeiten Zugang zur Bibliothek auf dem Harvard Campus organisieren, sodass ich wirklich flexibel arbeiten konnte. Außerdem hat sie mich mit einem tollen Workshop am MIT vernetzt, den ich nun, nach meiner Rückkehr, immer noch online verfolgen kann. Überhaupt kann ich sagen, dass mir die Offenheit des wissenschaftlichen Austausches in Boston und Umgebung sowie die Hilfsbereitschaft und das gegenseitige Interesse wahnsinnig gut gefallen haben. Es ist also tatsächlich eine Stadt, in der man findet, was man (wissenschaftlich) sucht!

Mein Alltag bestand meist daraus, mit meinem Laptop einen Spaziergang zur Harvard Bibliothek zu unternehmen, um mich dort an meine Arbeit zu setzen. Als Philosophin bin ich nicht auf ein Labor angewiesen, sodass mir die örtliche Flexibilität wirklich sehr gelegen kam. Häufig bin ich auch nach Brandeis gefahren, um bei einem der dort organisierten Schreib-Workshops teilzunehmen, um mich mit meiner Mentorin über mein Projekt zu unterhalten oder auch, um an einem ihrer Seminare zu einem verwandten Thema teilzunehmen. So konnte ich auch Erfahrungen für meine eigene Lehrpraxis mitnehmen und fand es spannend zu sehen, an welchen Stellen Seminare unterschiedlich oder ähnlich gestaltet werden.

Die “Promovieren-Leben-Balance" im Ausland: Der außeruniversitäre Alltag in Boston

Zu meinem außeruniversitären Alltag gehörte meist ein Besuch in einem Yoga-Studio bei mir um die Ecke, welches, verglichen mit den sonst doch ziemlich hohen Lebenshaltungskosten im Großraum Boston, erschwinglich und wirklich gut war. Außerdem habe ich zahllose Radtouren durch das erstaunlich sonnige Boston machen können, bei denen ich die Stadt mit meiner Kamera erkunden konnte.

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Ein paar Fotos, die Franziska Lara Paulmann während ihres Forschungsaufenthaltes in Boston gemacht hat.

Ich hatte immer das Gefühl, gut in dieser Stadt aufgehoben zu sein und konnte recht schnell viele Kontakte innerhalb und außerhalb des universitären Betriebs knüpfen, die mir auch über meinen Aufenthalt hinaus erhalten bleiben. Dazu gehören auch die anderen Fulbrighter, die ich bei einer Veranstaltung in Boston getroffen habe. Gerne hätte ich mich noch häufiger und intensiver mit ihnen ausgetauscht; so werden wir dies wohl nachholen müssen, denn auch mit ihnen stehe ich noch in Kontakt.

Ich habe tolle Unterstützung durch meine Mitbewohnenden erfahren und konnte mich immer, auch in den zum Ende hin leider schwierigen Zeiten, auf sie verlassen. Interessant fand ich vor allem die Gespräche mit den unterschiedlichen Menschen, die ich kennengelernt habe. So ging es (ganz entgegen dem Kredo, man spreche zu Tisch nicht über Religion, Politik oder Kindererziehung) häufig um gesellschaftlich relevante Themen wie den Wahlkampf für die Kandidatur des demokratischen Kandidaten, Religion sowie ab Anfang 2020 natürlich auch um den Umgang mit und die Sorgen vor Covid-19 und die Folgen für Gesundheit aber auch für den Arbeitsmarkt.

Besonders überrascht und interessiert haben mich dabei das Verhältnis vieler jüngerer Menschen zu Religion und die recht präsente Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben im Kontrast zu den Geschehnissen der Welt. Dies bin ich in der Form aus Deutschland nicht gewohnt gewesen, insbesondere in der Philosophie trifft man selten auf religiöse Menschen, so zumindest meine Erfahrung vor den USA. Diese Gespräche haben mich sehr interessiert und mir das Gefühl vermittelt, vollkommen neue Erfahrungen gesammelt zu haben, indem Menschen wirklich offen und frei erzählt haben. Mein Blick auf die USA wurde durch ihre Augen erweitert und bereichert.

Nur in Boston: Eine Liste der “Ersten Male”

Während meines Aufenthaltes habe ich einige Erfahrungen gemacht, die als „Erste Male“ gezählt werden können, darunter:

  1. das erste Mal Tacos selber machen,
  2. das erste Mal Mac ‘n’ Cheese,
  3. das erste Thanksgiving (mit meiner Mentorin, ihrer Familie und Nachbarn, ein echtes Highlight meines Aufenthaltes),
  4. das erste Mal College Hockey Live,
  5. das erste Mal um sieben Uhr morgens einen Halbmarathon anfeuern,
  6. die erste Saison NFL (vor dem Fernseher),
  7. das erste Mal in einem Propellerflugzeug auf einem Inlandsflug nach Kalifornien zu meiner Tante,
  8. das erste Mal NYC darunter das lebhafte Brooklyn, was mich ganz besonders beeindruckt hat.…

Die Erfahrungen waren zahlreich und keine möchte ich missen, im Gegenteil, ich hoffe, es werden sich noch einige mehr anschließen!

Die Abreise: Ein Ende des Aufenthalts aber mit frischem Blick auf die Forschung

Unter anderen Umständen hätte es diese Überschrift in meinem Bericht wohl nicht gegeben. Mein auf sechs Monate angelegter Aufenthalt wurde, wie sicher bei vielen anderen Fulbrightern in diesem Jahr, durch die Verbreitung von Covid-19 verkürzt. So bin ich nach Absprache mit Fulbright ca. vier Wochen vor geplantem Ende meines Aufenthalts abgereist. Alles war recht spontan und kurzfristig. Glücklicherweise hatte ich Mitbewohnende, sodass ich mit dieser Situation nicht alleine war, außerdem konnte ich mich auf meine Beraterinnen bei Fulbright und im Reisebüro verlassen. Diese fünf Wochen vermisse ich sehr, sowohl in meinem Forschungsvorhaben als auch in den privaten Plänen, die ich mir für meine letzten Wochen vorgenommen hatte.

Dennoch bin ich glücklich, eine so lange und tolle Zeit in Boston gewesen zu sein und in einer so kreativen und stimulierenden Atmosphäre einen neuen, frischen Blick auf meine Forschung, aber auch auf die Ostküste der USA bekommen zu haben! Ich versuche, dieses Gefühl und diese Einstellung zu meiner eigenen Arbeit mitzunehmen in diese unsicheren Zeiten und weiß, dass ich mit diesem Versuch nicht alleine bin.

Möchtest du deinen Forschungshorizont in den USA erweitern? Erfahre mehr über das Fulbright Doktorandenprogramm!

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