Dec 12, 2019

Per Reisestipendium in die USA

Von Jens Münchow

Eins habe ich in den letzten 4 Monaten in Milwaukee sehr schnell gelernt: Die Deutsch-Amerikanische Verbindung ist hier allgegenwärtig. Einige meiner neuen Freunde tragen den Nachnamen Schumacher, Mueller oder Wagner, in der Stadt gibt es einige deutsche Restaurants und Milwaukee ist nicht aus Zufall für die hohe Brauereidichte bekannt. Die Straßen heißen Bremen, Humboldt oder Teutonia Avenue und es gab sogar mal eine deutsche Botschaft in Milwaukee.

Aber der Reihe nach. Ich studiere im 5. Semester Chemie (dual) in Darmstadt und hatte das Glück das Wintersemester 2019/2020 an der University of Wisconsin Milwaukee absolvieren zu dürfen.

Bereits bei meinen ersten Gesprächen über Wisconsin, beim Fulbright-Seminar in Berlin, hatte ich sehr hilfreiche Unterhaltungen und mir wurde durchweg positiv über die Stadt berichtet, wodurch meine Vorfreude nochmal deutlich gesteigert wurde. Darüber hinaus kam ich mit einem weiteren Fulbrighter in Kontakt, der im gleichen Zeitraum an der University of Milwaukee studierte. Wir sind den Frühling über in Kontakt geblieben und dann zusammen Mitte August nach New York gereist. Durch das Reisestipendium war es uns möglich, bereits einige Tage vor dem Beginn des akademischen Programms das Land in vielen Facetten kennenzulernen. Nach einigen interessanten Tagen in New York, haben wir uns ein Auto gemietet und sind durch den Staat New York, den ländlichen, konservativen Teil von Pennsylvania sowie Ohio in das wieder aufstrebende Detroit zu fahren. Von dort ging es dann über Chicago weiter nach Milwaukee. Innerhalb von zwei Wochen konnten wir so schon sehr viele unterschiedliche Regionen kennenlernen und ich habe realisiert wie unterschiedlich die Lebensrealität der Menschen in diesem riesigen Land aussehen kann.

Durch die vielfältigen Aktionen des Centers for International Education kam ich von Beginn an, sowohl mit Studenten aus aller Welt, aber auch mit einheimischen Studenten sehr schnell in Kontakt, sodass ich mir zügig einen neuen Freundeskreis aufbauen konnte. Als dann im September die Vorlesungen und Laborpraktika begannen, habe ich relativ schnell feststellen müssen, dass studieren in den USA doch mit einem deutlich höheren Workload verbunden ist als in Deutschland. Neben 3 Klausuren pro Semester und Veranstaltung war ich täglich mit Hausaufgaben und/oder Laborberichten beschäftigt, sodass ich kaum die Möglichkeit hatte Land und Leute näher kennen zu lernen. Nach etwa einem Monat hatte ich mich auf das neue System eingestellt und mir Stand wieder mehr Freizeit zur Verfügung, die ich insbesondere an den Wochenenden zum Reisen nutzte. Ein besonderes Highlight stand im November an als mich ein amerikanischer Freund zu einem Spiel der „Wisconsin Badgers“ nach Madison einlud und ich die Erfahrung College Football hautnah miterleben konnte. 

Vor gut einer Woche wurde Thanksgiving in den USA gefeiert, was hier ein großer Feiertag ist. Die Uni war für einige Tage geschlossen und ich wurde schon in den Tagen zuvor zu mehreren Friendsgivings eingeladen. Während der eigentliche Thanksgivingtag ganz im Zeichen der Familie steht, trifft man sich in der Woche davor mit Freunden und stimmt sich auf die anstehenden Festlichkeiten ein. Am 28. November selbst, wurde ich von einem amerikanischen Kommilitonen in seine Familie eingeladen und durfte den Tag ganz klassisch mit Turkey, Mash potato und dem Nationalgericht Wisconsin´s - Mac&Cheese - zelebrieren. Ich wurde unglaublich herzlich aufgenommen, sodass ich mich schon nach kurzer Zeit zu Hause gefühlt habe. Eine tolle sowie leckere Erfahrung!

Neben den akademischen Veranstaltungen, gibt es wie an allen amerikanischen Universitäten ein riesiges Freizeitprogramm, von dem ich auch regen Gebrauch machte. Ich absolvierte einen Kochkurs, spielte zweimal die Woche Badminton, war für ein Wochenede auf dem Wisconsin River mit dem Kanu unterwegs und war im Lake Michigan surfen während Schnee am Strand lag. Das zeigt nur einen kleinen Ausschnitt des vielfältigen Angebots, das wirklich für alle Interessen etwas zu bieten hat.

Eine weitere Veranstaltung, die mir große Freude bereitet hat, war mein Besuch in einer amerikanischen Highschool im Rahmen der Fulbright Aktion „Meet a german“ am Tag der deutschen Einheit. Dies führte mich an die Brookfield Academy, eine Privatschule im Speckgürtel von Milwaukee. Der Tag begann mit einem interessanten Austausch in einer Politikklasse, die sich aktuell mit der deutschen Verfassung beschäftigten. Im weiteren Verlauf war ich mit dem Deutschlehrer der Schule in seinen verschiedenen Klassenstufen unterwegs; berichtete vom Leben in Deutschland und meinen Erfahrungen in USA. Eine tolle Aktion, die bei den Schülern durchaus positiv ankam und auch mir interessante Einblicke gewährt hat.

Nachdem ich das arbeitsintensive Studentenleben zu Beginn zuweilen etwas verteufelt habe, habe ich es im Laufe der Zeit doch zu schätzen gelernt. Der Kontakt mit den überaus hilfsbereiten Professoren ist sehr eng, wodurch sich tolle Möglichkeiten ergeben haben. So konnte ich ausgehend von meinem Laborkurs bei einem Forschungsprojekt teilnehmen und eine neue Synthese entwickeln. Aktuell überprüfen wir ob und in welchem Kontext diese publiziert wird.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich die Zeit bereichert hat wie wohl keine 5 Monate zuvor in meinem Leben und ich kann jeden nur ermutigen den Schritt “Study Abroad” zu wagen. Neben dem Kennenlernen einer neuen Kultur, hat man anschließend Freunde auf der ganzen Welt und auch einfach eine gute Zeit!

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