Nov 25, 2019

Meine Zeit als Clemson Tiger

Von Anny Ripke

Wenn man in die Universitätsstadt Clemson in South Carolina einfährt springt einem zuerst eins entgegen : Orange ! Fast alles, Restaurants, Bars, Einkaufsläden, Friseure, ist in den Uni Farben – Orange und Violett – dekoriert und auf viele Straßen finden sich riesige Tigerpfoten. Man kann quasi gar nicht der ansteckenden, familiären Energie der Clemson University entgehen, und will es eigentlich auch gar nicht. Ich bin jetzt seit Anfang August, also knapp 3 Monate hier und obwohl oder gerade weil es ganz anders ist als die Uni in Deutschland, fühle ich mich unglaublich wohl. Zuhause war Freizeit und Lernen für mich immer getrennt. In die Uni gehe ich nur, wenn ich Hausaufgaben mache oder für eine Klausur lerne, sonst bleibe ich so weit weg wie möglich. Das ist hier umgedreht. Zum Teil auch, weil ich auf dem Campus wohne, befinde ich mich nur an der Uni. Mein Studium aber auch meine gesamte Freizeit findet hier statt und an Angeboten mangelt es nicht. Es gibt über 500 Clubs für alles, was das Herz begehrt und egal welches Hobby man hat – man wird auf jeden Fall Gleichgesinnte finden. Die Cultural Exchange Community veranstaltet besonders zu Beginn des Semesters, um den Einstieg zu erleichtern, viele gemeinsame Aktivitäten mit allen internationalen Schülern, die Lust und Zeit haben etwas zu unternehmen.

Durch das Fulbright Netzwerk wurde mir die Umgewöhnung sogar noch mehr erleichtert und ich habe mich quasi schon zuhause gefühlt, da war ich noch gar nicht in Amerika angekommen. Durch das Netzwerktreffen in Berlin, wurde mir die Nummer einer Fulbright Stipendiatin, die gerade aus Clemson zurück war zugespielt. Wie für Fulbrighter üblich war sie sehr offen und hat mir alles, was ich über den Campus, die Uni und das Leben hier wissen wollte beantwortet und mir nützliche Tips gegeben. Durch sie habe ich auch Teile meiner Einrichtung hier drüben gestellt bekommen, da sie viele Sachen, bei einem Freund zwischengelagert und jetzt an mich vererbt hat. ( Nochmal ein riesen Danke an dieser Stelle an Christin ! )

Christin war außerdem Teil des Fulbright Fellows and Friends Club in Clemson und hat mich an ihn weitervermittelt, ich bin quasi ihre Nachfolgerin geworden. Es handelt sich um eine kleine Gruppe von Fulbright Stipendiaten, die sich regelmäßig treffen, austauschen und Sachen gemeinsam unternehmen. Auch hier wurde ich herzlich empfangen und direkt integriert.

Mein größtes Hobby hier ist allerdings das Western Reiten. Bevor ich nach Amerika gekommen bin, hatte ich lange nicht mehr die Gelegenheit zu Reiten, da es in Deutschland sehr teuer und umständlich ist. Studium und ein so aufwändiges Hobby zu vereinbaren ist einfach sehr schwierig. Da hier der Clemson University Equestrian Club Teil der Uni ist, nehmen Professoren Rücksicht auf Turniere und Trainer auf Stundenpläne und es klappt alles wunderbar ! Clemson hat ein sehr extensives Veterinary Sciences Programm und deshalb auch eine eigene Farm mit Pferden. Sie werden von Schülern und dem CUET versorgt und werden uns im Gegenzug zum Training und für Turniere bereitgestellt. Für mich war das alles ein Glücksfall, ich habe genau den Club gefunden, mit dem ich schon vorher etwas zu tun hatte und musste nicht von 0 anfangen. Aber auch, wenn man bisher keinen Vereinsport gemacht hat oder einfach einen neuen Club ausprobieren will, ist man in Clemson gut bedient ! Viele Clubs haben gar keine Zulassungsbestimmungen und man kann einfach mitmachen wann man möchte und mittrainieren, -spielen oder -diskutieren, je nach dem für welches Hobby man sich letzten Endes entscheidet.

Nächste Woche ist in Amerika Thanksgiving, und dank dem Engagement der Auslandskoordinatoren wurde ein Gastfamilienprogramm ins Leben gerufen. Ich und meine deutsche Mitbewohnerin wurden zu einer Gastfamilie in der Gegend eingeladen und werden mit ihnen Thanksgiving feiern. Besonders weil es den Feiertag in Deutschland ja gar nicht gibt, freue ich mich so sehr darauf, dass ich zusammen mit einer amerikanischen Familie feiern darf und die Kultur hautnah erlebe.

Das ist jetzt das zweite Mal, dass ich im Ausland in die Schule gehe, beziehungsweise studiere und ich kann es nur jedem empfehlen. Ich habe hier (und werde in der Zukunft noch) viele einzigartige Erfahrungen machen und die Zeit außerhalb von Deutschland hat mich als Mensch sehr geprägt. Ich kann nur jedem empfehlen sich auf dieses Abenteuer einzulassen und mindestens einmal im Leben an einer anderen Uni oder Schule zu studieren. Besonders erfolgreich ist die Zeit für mich durch Fulbright geworden, da ich hunderte Leute hinter mir hatte, die mir mit Rat und Tat zur Seite standen und stehen.

Traut euch und meldet euch für ein Auslandsjahr an eurer Uni an ! Vielleicht kommt ihr ja sogar nach Clemson ? Es wird sich absolut lohnen und vielleicht könnt ich dann auch einen Bericht verfassen und von euren Abenteuern erzählen.

Und Go Tigers !

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