Feb 14, 2018

Mein Forschungsaufenthalt am Scripps Research Institute

Von Amin Minakar

Amin Minakar am Grand Canyon

Vier wunderbare zurückliegende Monate am „The Scripps Research Institute (TSRI)“ in La Jolla Revue passieren zu lassen, gibt Gelegenheit, das Besondere zu würdigen. Es begann im März 2017, als ich endlich nach langem Bangen und Hoffen die Zusage von Fulbright in der Hand hielt. Doch bevor die lange Reise angetreten werden konnte, mussten noch die anfänglichen Hürden wie Unterkunft und Visum überwunden werden. Über den hauseigenen Verteiler am TSRI konnte ich schnell ein Zimmer in einer sehr netten Gastfamilie finden, die sich hervorragend und liebevoll um mich gekümmert hat und mir hilfreiche Tipps vor meiner Abreise mit auf dem Weg gab. Nachdem ich auch nun nach zwei anstrengenden Monaten Wartezeit mein J1-Visum in der Hand hielt, konnte der kleine Flieger nun endlich über den großen Teich starten und San Diego ansteuern. Die anfänglichen Probleme und das lange Warten hatten sich gelohnt - zwischen all den Palmen, den mediterran angelegten Gebäuden und dem ganzjährigen sonnigen Wetter fühlt man sich eher wie in einem Urlaubsort, als auf dem Gelände eines der größten Forschungsorganisationen der Welt.

Das Chemiegebäude „The Arnold and Mabel Beckman Center for Chemical Science“ am TSRI

Von A wie „Arbeit“...

Das TSRI ist definitiv die richtige Wahl gewesen. Die hervorragende Arbeitsgruppe im Chemistry Building am Scripps Institute lehrt mich neben zahlreichen praktischen Tricks und Tipps auch wert volle theoretische Erfahrungen, die wöchentlich durch Seminare und Gruppenmeetings gefestigt werden. Die Meetings setzen hierbei den Schwerpunkt auf Problemstellungen in der eigenen Chemie, die man durch gemeinsame Lösungsansätze zu klären versucht. Besonderer Wert wird darüberhinaus auch auf den Kontakt mit der Industrie gelegt, so dass ich auch hierbei schon früh mit eingebunden wurde.

Gewöhnlicher Anblick in den Abzug eines Chemikers

Was mir am Scripps allerdings besonders gefällt, dass sich das Leben in den Laboratorien anders gestaltet als bei uns in Deutschland. Die Doktoranden und Post-docs verbringen meist den ganzen Tag auf dem Campus und stärken ihren Körper und Geist mit Sport, der einen hohen Stellenwert hier hat. Darüberhinaus ist der oft betonte „University-Spirit” auch hier besonders stark spürbar, das sich durchaus an den hübschen Scripps- und Labor-T-Shirts zeigt, den die Studierenden stolz tragen, während sie über den Campus marschieren. Da dieser Spirit einen schnell packt, konnte ich in den ersten Tagen schon nicht widerstehen, so dass nun auch ein Scripps-Sweater in meinem Kleiderschrank hängt. Die Mitarbeiter am Scripps Institute sind sehr hilfsbereit und zuvorkommend und stehen mir immer mit Rat und Tat zur Seite. Und das Wichtigste: Man wird schnell im Team aufgenommen und bei allen Aktivitäten wie Grillabende, Workshops und Arbeitsgruppenausflüge schnell mit eingebunden. Und die Belohnung nach jedem Arbeitstag ist der unbezahlbare Ausblick aus dem Laborfenster auf den Sonnenuntergang über das blaue Meer.

Ausblick aus dem Laborfenster (3. Stock) auf den Sonnenuntergang (reingezoomt)

...bis Z wie „Zwischenstopp: Meer”…

San Diego hat so ziemlich alles zu bieten, was das (Forscher-/Urlauber-) Herz begehrt: Vom weißen Sandstrand, bis hin zum Gleitschirmfliegen mit Meeresblick, grünen Nationalparks und
selbstverständlich zahlreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten, ist hier so gut wie alles vertreten. Stadtmenschen können das trendige Downtown mit seinen zahlreichen Restaurants und Shops erkundigen, sich die Zeit im traditionell
mexikanischen Old-Town vertreiben und abends die Clubs im berühmten GasLamp Quarter unsicher machen.

Da die Temperatur ganzjährig über 20°C beträgt, hat man hier die vier Jahreszeiten auf „Summer“ und „SummerSummer“ der Einfachheit halber reduziert, weswegen man San Diego nicht umsonst auch als „Sun Diego“ bezeichnet. Die Winterjacke hatte ich somit beruhigt in Deutschland lassen können, wohingegen Sonnenbrille, Handtücher und Flip-Flops unersetzliche Accessoires sind. San Diego ist sehr weitläufig und das Netz öffentlicher Verkehrsmittel ist weniger gut ausgebaut, so dass – wenn überhaupt – Busse meistens nur von den Einheimischen genutzt werden. Ich entschied mich allerdings für den Kauf eines eigenen kostengünstigeren roten Flitzers, den ich mit meiner Mitbewohnerin gemeinsam genutzt habe, um flexibler und schneller unterwegs zu sein. Allerdings gibt es in San Diego auch Rental-Cars wie Sand am Meer und locken vor allem Studierende mit ihren zahlreichen Rabatten an.

Links: San Diego California Temple beleuchtet bei Nacht - Rechts oben: Blick auf den Hafen von San Diego aus dem Hyatt Hotel - Rechts unten: Nicholson Point Park in La Jolla

San Diego ist unfassbar vielfältig und bietet Essen aus allen Ecken der Welt an: Im Stadtteil „Little Italy” wird traditionell italienische Pizza und Pasta serviert, die asiatische Küche ist in der ganzen Stadt verteilt, orientalisches Essen findet man am Balboa International Market, der Port
of San Diego lockt mit frischem Fisch und Meerestiere, und Fastfood-Restaurants - naja, wie in den USA üblich - sind überall zu finden. Tipp: Doch das beste Essen gibt es immer in den kleinen unscheinbaren Geschäften und alleinstehenden Food-Trucks, die mit hausgemachten Gerichten und Soßen jeden überzeugen. Mein besonderer Lieblingsort in La Jolla ist der Torrey Pines Gliderport, wo man einen wunderbaren Blick beim Sonnenuntergang auf das offene blaue Meer hat und dabei die Paraglider beobachten kann – perfekt, um den Arbeitstag Revue
passieren zu lassen.

Sonnenuntergang am Torrey Pines Gliderport

…Fazit…

In den letzten Monaten habe ich unschätzbare Erfahrungen gemacht und viele tolle Menschen aus aller Welt kennengelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind. Meine amerikanische Gastfamilie unterstützt mich in jeder Lebenssituation und hat mir vor allem den „American Way of Life” nähergebracht. Durch meine neugewonnen Freunde am Scripps konnte ich nicht nur die Chemie von einer anderen Perspektive kennen lernen, sondern auch die zahlreichen Soccer-Spiele, Thanksgiving-Traditionen und die Ausflüge zum „Big Bear” werden mir immer in Erinnerung bleiben. Ich bin sehr froh, dass ich diese tolle Erfahrung machen darf und danke vor allem Fulbright, ohne deren Unterstützung und Vertrauen dieser Weg nur ein weitentfernter Traum gewesen wäre!


Amin Minakar ist Fulbright Stipendiat 2017 – 2018 für das Fulbright Doktorandenprogramm. Im Jahre 2013 absolvierte er sein Bachelor in Chemie an der Universität Paderborn und fertigte seine Bachelorarbeit bei „Bayer Technology and Services“ in Shanghai an. Für seine Masterarbeit forschte er 6 Monate bei der Symrise AG in Holzminden und schloss seinen Masterstudium ebenfalls an der Universität Paderborn im Jahr 2014 ab. Als Doktorand im Fachbereich der Chemie arbeitet er seit 2015 an der Universität zu Köln im Bereich der Naturstoffsynthese. Aktuell befindet er sich für einen 6-monatigen Forschungsaufenthalt am „The Scripps Research Institute“ in La Jolla, wo er seine Forschung weiter fortsetzt.


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