Dec 17, 2018

Jede freie Minute in der Natur genossen

Von Benedikt Kastner

Der Forschungsaufenthalt am Center for Media, Religion and Culture der University of Colorado Boulder ermöglichte es mir, kulturwissenschaftliche Fragestellungen bezüglich meiner Dissertation, die sich mit der Thematik der Transkulturalität von Achtsamkeit-Apps auseinandersetzen, mit führenden Medien- und Religionswissenschaftlern am hiesigen Center zu diskutieren. Das Center untersucht aus einem interdisziplinären Blickwinkel Konzipierungen von Wissenszuständen, die in den sich prägenden Diskursen von Religion, Medien und Kultur ansässig sind. Die Forschungen des Centers sind hier wegbereitend für eine akademische wie auch öffentliche Wahrnehmung auf die Einflussgebiete der genannten Diskurse. Im akademischen Kontext ist das Center in seiner Fokussierung eines der etabliertesten Institute, die sich mit Fragestellungen in diesem Bereich beschäftigen. Der Besuch von wöchentlichen Kolloquien sowie die Teilnahme an der zweijährig stattfindenden Konferenz der International Society for Media, Religion and Culture eröffnete mir neue Perspektiven auf meinen Forschungsgegenstand.

Im Rahmen dieses Austausches strukturierte ich den Fokus meiner Dissertation auf die implizite Dynamik einer Wissensgenerierung von Achtsamkeit in den Apps, die sich anhand einer zu konsumierenden Authentizität sowie einer zu konsumierenden brand gestaltet. Eine Authentizität zu Achtsamkeit strukturiert sich in der App mithilfe wirklichkeitskonstituierender Performativitäten in Form von Sprechakten (Meditationen), Ästhetiken und dem entsprechenden Design. In diesem Zusammenhang formt der Produzent der jeweiligen App ein spezifisches Verständnis zu Achtsamkeit für ein millionenfaches Publikum und prägt somit eine öffentliche Wahrnehmung, was Achtsamkeit oder auch Meditation impliziere. Das Medium der App für Smartphones und Tablett konstituiert so einen gesellschaftlichen Blickwinkel was Achtsamkeit beinhalte und was wiederum nicht. In den von mir untersuchten Apps wird Achtsamkeit größtenteils von ihrem buddhistischen Kontext distanziert dargestellt und als eine säkulare und therapeutisch wertvolle Ansammlung von Praktiken und Vorstellungen verstanden.

Während meines Aufenthalts hatte ich die Gelegenheit mich mit einigen App-Produzenten in den USA zu treffen und sie hinsichtlich der Produktion ihrer App zu interviewen. Der qualitative Zugang ist für meine Dissertation relevant, um den Faktor der Authentizität in ihrer App explizit zu beleuchten. Im Rahmen dieser Auseinandersetzung wird sodann deutlich, dass religiöse Narrationen aus der buddhistischen Religionsgeschichte in die entsprechenden App-Kontexte rezipiert wurden, jedoch von einer Betitelung, diese als spezifisch religiös bzw. buddhistisch zu beschreiben, abgesehen wurde. Inhalte wurden so übernommen, allerdings different gelabelt. Durch meinen viermonatigen Aufenthalt lernte ich für mich neue theoretische und methodische Ansätze kennen, die mir für die Erforschung von Apps sehr weitergeholfen haben. In diesem Zusammenhang kam ich mit verschiedenen Modellen in Berührung, die mir die religionsgeschichtliche Kontextualisierung von Achtsamkeit erleichtern sollten. Die Gespräche mit den amerikanischen Kollegen waren für mich äußerst gewinnbringend und haben meinen Horizont intellektuell erweitert.

Neben meiner Arbeit an der Dissertation hatte ich die Gelegenheit an den Wochenenden in den Rocky Mountains wandern zu gehen und durch die Natur viel Inspiration zu erhalten. Die Berge und die Wälder waren für mich ein Traum, weshalb ich jede freie Minute in der Natur genossen habe. Während den Wanderungen konnte ich sogar einige Tiere wie Wapitis, Kojoten und Rehe sehen. Nach meiner Fulbright-Zeit reiste ich in den Yellowstone Nationalpark nach Wyoming und war sehr beeindruckt von den Geysiren, den wilden Büffeln und einem Grizzly, dem ich begegnet bin. Die Natur ist dort mehr als großartig und jede Reise wert. Durch diesen Ausflug konnte ich mir einen Kindheitstraum erfüllen, einmal die Wunder des Yellowstone zu erleben. Naheliegende Nationalparks habe ich in diesem Rahmen ebenso besucht und konnte so mehr über die Geschichte der USA wie auch die der Native Americans lernen.

Abgerundet wurde mein Aufenthalt in den USA durch einen letzten grandiosen Stop in New York. Die vielen Hochhäuser und Menschen waren eine gelungene Abwechslung zu dem Alltag, den ich im ehemaligen wohl Wilden Westen hatte. Die Stadt die nie schläft, hielt mich bis zur Ermüdung auf den Beinen. Es gab unglaublich viel sehen und ich freue mich darauf, noch weitere Ecken der Stadt in Zukunft zu entdecken. Die Fulbright-Zeit war für mich ein enormer Gewinn, der mich intellektuell wie auch menschlich sehr bereichert hat. Ich habe von den Kollegen am Center viel lernen können und kam nach viereinhalb Monaten mit wertvollen Eindrücken zurück nach Deutschland. Ich denke, dass die gewonnenen Kontakte nicht nur für meine Dissertation kostbar waren, sondern dass kommende Forschungsvorhaben durch diese geknüpfte transatlantische Kooperation profitieren werden. 

Go back