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Jul 09, 2020

“Erlebnis der Entschleunigung”: Erfahrungen aus einem Auslandsjahr in New York, USA

Grantee Experience (Reisestipendium)

 

Kann man in New York “entschleunigen”? Wenn man Fulbright Germany Stipendiatin Nina Pérez Delgado fragt, lautet die Antwort ausdrücklich “Ja!”. Nina ergänzte ihr Studium in Psychologie mit einem Auslandsjahr in den USA und entdeckte die langsamen und lehrreichen Seiten New Yorks. Hier teilt sie ihre Erfahrungen und Tipps aus ihrer Zeit im ‘Big Apple’, an der Columbia University und dem Studium in den USA.

Ein neuer Anfang: Der Beginn des Aufenthalts in New York City

In meinem Psychologiestudium an der Freien Universität in Berlin gehörte es zu meinem Alltag, von einer Beschäftigung zur nächsten zu springen, immer im Streben nach Produktivität. Für mein Auslandsjahr nahm ich mir vor, die Dinge gelassener anzugehen. Auf dem Campus in New York angekommen, fühlte ich mich ein wenig in die Schulzeit zurückversetzt. Eingesammelte Hausaufgaben und Mitarbeitsnoten wirkten anfangs etwas einengend. War ich von meiner deutschen Uni an eine große Portion Eigenverantwortung sowie Selbstbestimmtheit gewohnt, so wurden die Studierenden an der Columbia an die Hand genommen. Bald fand ich jedoch viel Freude an meiner routinierten und strukturierten Woche.

Das studentische Leben - New York Style: Zwischen Library und Liberty

Obwohl die Columbia inmitten einer pulsierenden Metropole liegt, ist der Campus nördlich vom Central Park eine kleine Parallelwelt. Die Uni verfügt über ein sehr buntes und aktives Studierendenleben und bietet viele Möglichkeiten, sich untereinander zu vernetzen, zum Beispieldurch Aktivitäten mit Kommiliton*innen (wie dem Besuch eines Baseballspiels) oder durch Veranstaltungen zu spezifischen Interessenfeldern (beispielsweise Vorträge oder Film-Screenings).

Studierenden-Initiativen, Sportarten oder Musikgruppen reihen sich fröhlich an volle Stundenpläne. Zeit ist wertvoll, Schritte sind schnell, Gespräche oft knappgehalten. Angesichts der arbeitsaufwändigen Woche ist es nachvollziehbar, dass sich viele Studierende überwiegend im Univiertel Morningside Heights aufhalten. Trotz hohem Workload versuchte ich Spontanität und Pflichtbewusstsein zu jonglieren und konnte mit Kommiliton*innen einige Lieblingsorte in Brooklyn, Harlem und Lower Manhattan ausfindig machen.

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Fulbrighter Nina Pérez Delgado mit einer Austauschstudentin und guten Freundin auf dem Global Citizen Festival im Central Park.

Wie man die richtige Uni-Life-Balance findet: Qualität vor Quantität

Der Chancenreichtum an der Uni ist ein Geschenk und zugleich einschüchternd. So groß die Möglichkeiten sind, so häufig sind auch Angsterkrankungen oder Depressionen an Ivy-League-Universitäten vertreten. Aufgrund dieses Bewusstseins sendet die Uni Zeichen der Unterstützung in Form von psychologischer Betreuung, Gruppentherapien oder Achtsamkeitstraining. Ein kostenloser Meditationskurs wurde zu einem wertvollen Baustein in meinem Alltag. Ich entschied mich, dass ich erleben statt überleben, tiefe menschliche Verbindungen aufbauen und Stille spüren statt spurten wollte.

Entgegen meiner Gewohnheiten konzentrierte ich mich auf weniger inner- und außeruniversitären Verpflichtungen und nahm mir dafür mehr Zeit für diese. Das von Studierenden geleitete Aufnahmestudio CU RECORDS bot eine tolle Gelegenheit, sich mit anderen Musiker*innen bei gemeinsamen Jam-Sessions auszutauschen und Wissen über Produktionstechniken weiterzugeben. Als Mitglied von CU Records half ich anderen Studierenden, ihre Musik im Studio aufzunehmen. Darüber hinaus organisierte CU RECORDS einige Konzerte auf dem Campus.

Studieren in den USA: Die Kurse sind cool, aber der interkulturelle Austausch ist noch cooler

Im ersten Semester besuchte ich hauptsächlich Kurse aus dem Bereich Psychologie, wie beispielsweise ein interaktives Seminar in „Psychology of Culture and Diversity“. Kommiliton*innen verschiedener kultureller Hintergründe kamen in diesem Kurs zusammen, wodurch die unterschiedlichen Theorien lebhaft diskutiert wurden. Durch den Perspektivwechsel, insbesondere zwischen westlicher und östlicher Kultur, ergaben sich einige einleuchtende Erkenntnisse.

Schließlich konnten wir am Ende des Kurses ein eigenes Design einer interkulturellen Studie vorstellen und wertvolles Feedback von der Gruppe erhalten. Dank des Seminars erhielt ich nun einen fundierteren Einblick in spezifischen Überlegungen, die in die Vorbereitung einer wissenschaftlichen Studie fließen müssen.

Das Internationale mit dem Interdisziplinären verbinden

Im zweiten Semester belegte ich auch Kurse außerhalb meines Fachbereichs, z.B. das praktische Seminar „Recorded Sound“, in welchem wir lernten, Instrumente in einer Studioumgebung aufzunehmen und mit Musikproduktionsprogrammen umzugehen. Wir hatten sogar die Möglichkeit, mit einem Mixing und Mastering Ingenieur aus Brooklyn an unseren Projekten zu arbeiten. Schnell wurde dieser experimentelle Kurs zu meinem absoluten Liebling und einem meiner Highlights in diesem Jahr.

Der Spur der Musik folgend hörte ich zum ersten Mal Live-Jazz in der Stadt, besuchte Konzerte, traute mich in Open-Mic Bars, die Geschehnisse des Studienjahres in Song-Form zu teilen, und kam mit Menschen verschiedenster Kulturen und Lebensgeschichten ins Gespräch. Ein weiterer Höhepunkt war das Global Citizen Konzert im Central Park, für welches wir Tickets nach einem Charity-Lauf geschenkt bekamen. Zusammen mit einer Kommilitonin tanzte ich unter freiem Himmel zu Alicia Keys Klavierklängen von Empire State of Mind. Weitere Erlebnisse, die fest in meinem Gedächtnis verankert bleiben werden, war der Besuche des Art Institute im eisigen Chicago, ein Theaterstück in Los Angeles mit weiteren Fulbright Stipendiat*innen und der Sonnenuntergang in San Diego.

Eine einmalige Chance: Gemeinsam vorangehen mit der German-American Conference

Im November fand die German-American Conference in Harvard statt, an der ich dank Fulbright teilnehmen durfte. Dort traf ich neue und alte Bekannte bei inspirierenden Vorträgen. Zusammen mit einer weiteren Fulbright Stipendiatin hatte ich das große Glück, bei einer deutschen Familie in Boston unterzukommen, die uns sehr herzlich und gastfreundlich willkommen hieß. Auf der Konferenz, die mit sehr viel Mühe von Studierenden der Harvard Universität organisiert wurde, war das Panel „Fighting the Climate Crisis“ sowie die Ausstellung des Berliner Fotografen Harf Zimmermann äußerst informativ und gesprächsanregend. Der krönende Abschluss der Konferenz war ein einmaliger Abend im Harvard Museum of Natural History, an dem ein lebendiger Austausch zwischen den Grantees über die bisherigen Erfahrungen des Auslandsstudiums sowie die Eindrücke auf der Konferenz stattfand.

Man lernt das Schöne aus schwierigen Momenten zu ziehen: Ein unerwartetes Ende durch die Pandemie

Das Universitätsleben kam im März frühzeitig zu einem abrupten Stopp, da der COVID-19 Virus wie vielerorts die Institutionen dazu zwang, die Vorlesungen online abzuhalten. Diese Situation erforderte schnelle Anpassung und Umstrukturierung, die die Columbia meiner Meinung nach gut umgesetzt hat. Trotz der veränderten Umstände konnte ich das Semester erfolgreich beenden, ohne, dass die Unterrichtsqualität darunter litt.

Die Metropole New York wird wohl noch längere Zeit dem Stillstand erliegen. Die finalen Wochen verbrachte ich bei neu gewonnenen Freunden in einem Lake-House in Georgia sowie in New Orleans und wie der Rest der Welt übten wir uns in Geduld, Hoffnung und Dankbarkeit. Dieses Jahr öffnete mir die Augen für den Umgang mit inneren und äußeren Krisen.

Rückblick auf ein Jahr im Ausland

Wenn ich auf mein spektakuläres und achterbahnähnliches Jahr in den USA bzw. in New York zurückschaue, so habe ich einen persönlichen und kulturellen Weitblick erhalten. Angesichts der Präsidentschaftsvorwahlen und insbesondere der Corona Krise haben sich mir die Problematiken der fehlenden amerikanischen Absicherungs- und Solidarstruktur stärker offenbart. So erfuhr ich eine ganz neue Wertschätzung gegenüber dem deutschen Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystem. New York hat mir seine Härte aber auch sein Lächeln gezeigt. Keine Angst vor Veränderungen haben, Nichts-verpassen-wollen aufgeben, sich in der Stille entspannen und auf ungewohnte Bauchgefühle hören – diese Lehren nehme ich aus meinem Auslandsstudium mit. Ich habe mein Herz in dieser Stadt gelassen und kann nur dazu ermutigen, die Hürde des Bewerbungsprozesses zu nehmen, mit der Aussicht auf ein bestimmt ebenso aufschlussreiches und augenöffnendes Jahr.

Danke Fulbright! Die Unterstützung im Zuge der Vorbereitung und Durchführung meines Auslandsjahres sowie die Kontakte, die ich dank des Fulbright Netzwerks knüpfen durfte waren einer der Gründe, weshalb ich sehr positiv auf die Erfahrungen der vergangenen Monate zurückblicke. Wenn ich an die Fulbright Community denke, dann kommen mir vor allem die Worte Verantwortung und Empathie in den Sinn.

Tipps für ein Auslandsjahr in den USA (FAQs)

Soll ich nur Kurse aus meinem Fachgebiet besuchen?

  • Nina’s Tipp: Sei experimentierfreudig! Man kann viel Neues lernen: Im zweiten Semester belegte ich auch Kurse außerhalb meines Fachbereichs, z.B. das praktische Seminar „Recorded Sound“, in welchem wir lernten, Instrumente in einer Studioumgebung aufzunehmen und mit Musikproduktionsprogrammen umzugehen. Schnell wurde dieser experimentelle Kurs zu meinem absoluten Liebling und einem meiner Highlights in diesem Jahr.

Wie passe ich mich an die unterschiedlichen Arten des Studiums und Lehrens in den USA an?

  • Nina’s Tipp: Es kommt mit der Zeit, aber die Uni ist immer da, um dir zu helfen! Auf dem Campus in New York angekommen, fühlte ich mich ein wenig in die Schulzeit zurückversetzt. Eingesammelte Hausaufgaben und Mitarbeitsnoten wirkten anfangs etwas einengend. Ich fand jedoch viel Freude an meiner routinierten und strukturierten Woche. Der Chancenreichtum an der Uni ist ein Geschenk und zugleich einschüchternd. So groß die Möglichkeiten sind, so häufig sind auch Angsterkrankungen oder Depressionen an Ivy-League-Universität vertreten. Aufgrund dieses Bewusstseins sendet die Uni Zeichen der Unterstützung in Form von psychologischer Betreuung, Gruppentherapien oder Achtsamkeitstraining.

Gibt es Besonderheiten an Kursen in den USA?

  • Nina’s Tipp: Ja, klar! Im ersten Semester besuchte ich hauptsächlich Kurse aus dem Bereich Psychologie. Kommiliton*innen verschiedener kultureller Hintergründe kamen in diesem Kurs zusammen, wodurch die unterschiedlichen Theorien lebhaft diskutiert wurden. Durch den Perspektivwechsel, insbesondere zwischen westlicher und östlicher Kultur, ergaben sich einige einleuchtende Erkenntnisse.

Wie lerne ich während des Studiums neue Leute kennen?

  • Nina’s Tipp: Sei aktiv und folge deinen Leidenschaften! Das von Studierenden geleitete Aufnahmestudio CU RECORDS bot eine tolle Gelegenheit, sich mit anderen Musiker*innen bei gemeinsamen Jam-Sessions auszutauschen und Wissen über Produktionstechniken weiterzugeben. Als Mitglied von CU Records half ich anderen Studierenden, ihre Musik im Studio aufzunehmen. Der Spur der Musik folgend hörte ich zum ersten Mal Live-Jazz in der Stadt, besuchte Konzerte, traute mich in Open-Mic Bars, die Geschehnisse des Studienjahres in Song-Form zu teilen, und kam mit Menschen verschiedenster Kulturen und Lebensgeschichten ins Gespräch.

Erfahre mehr über ein Auslandsjahr mit Fulbright Germany hier!

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